Where is the wisdom we lost in knowledge? Über die verändernde Kraft von Gefühlen…

Wir schlafwandeln kollektiv und individuell. Wir alle sind unruhig und finden keine Ruhe. Seltsam unbeteiligt sehen wir, wie durch einen Schleier, wie sich unsere bekannten Welten und Annahmen langsam auflösen. Der Planet ächzt und stöhnt unter der Last von Gesellschaften, die sich rücksichtslos und mit Ewigkeitsanspruch auf ihm eingerichtet haben. Und nur langsam reift in uns der Gedanke, dass wir uns völlig verrannt haben könnten. Die wissenschaftlichen Daten und Fakten belegen eindrucksvoll, dass nichts so bleiben kann und wird, wie wir uns das vielleicht wünschen. Trotzdem stellen wir uns taub und weigern uns zu reagieren. Wir sind unwillig etwas zu ändern. Warum ist das so? 

„Ja wir wussten viel und fühlten wenig. Wir durften es nicht fühlen und hören doch T. S. Eliot fragen: ‘Where is the wisdom we lost in knowledge? Where is the knowledge we lost in information?!’ Hörten es und häuften noch mehr Informationen auf. Als brauchten wir zum Handeln einen neuen Klimabericht, einen neuen Schadensbericht über die Weltmeere, den Regenwald, die grassierende Armut. Aber aus all den Fakten ist keine Praxis entsprungen, die auf der Höhe der drohenden Zukunft wäre. Das Gefühl ist ein schlechter Ratgeber, sagen wir immer noch – als ob der gesunde Menschenverstand ein besserer wäre! – und stärken unser Immunsystem durch Bilder vom Schwund der Menschen, der ertrinkenden, zerbombten, ausgesetzten Menschen, die wir in keine Erzählung bringen, nicht weiterdenken, nicht weiter fühlen wollen.” (Roger Willemsen, “Wer wir waren”)

Roger Willemsen, “Wer wir waren”

Was folgt daraus? Wo ist die Weisheit, die wir dem Wissen geopfert haben und wie können wir zu ihr zurückfinden? Wie können wir uns einen neuen Zugang erarbeiten und den Weg zu einem dringend benötigten Wandel wieder freischaufeln? Wir sollten damit aufhören, durch Daten und Fakten die Gefühle von Menschen erreichen zu wollen.

“Auf der Vergangenheit zu bauen, um die Zukunft zu verändern, ist etwas, was wir nun lange Zeit getan haben, ohne dass es viel geholfen hätte.”

Timothy Morton, Philosophiemagazin Sonderausgabe 16 “Klimakrise”

Stattdessen müssen wir von eben diesen Gefühlen ausgehen, die sich im Moment auf den Strassen und in (vermeintlich) demokratischen Abstimmungen entladen. Mit Projekten wie The Shape Of Us versuchen wir den Schlaf zu wandeln – unser Ziel ist es Menschen dazu zu bewegen, ihre Gefühle zu ergründen. Denn ein Gefühl ist wie ein Gedanke, für den man noch nicht die richtigen Worte gefunden hat. Während Zahlen und Daten der Vergangenheit entstammen und in der Gegenwart oft als willkommener Anlass zum Streit – wir nennen ihn euphemistisch rechtfertigend “Diskurs” – genutzt werden, der uns von der unbequemen Notwendigkeit zum Handeln entbindet. Wenn wir also verhindern wollen, dass die Vergangenheit unsere Zukunft verschluckt, dann müssen wir uns mutig unseren Emotionen zuwenden und lernen diese zu versprachlichen, damit sie zu zukunftsfähigen Gedanken werden können.

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