“Kraftwerk” – Ein Jugend-Kunstprojekt am Ende der Welt.

Die Welt geht ihrem Ende entgegen und wir sind auf diesen letzten Gang nicht vorbereitet. Über den Klimawandel haben wir alle nur geredet, diskutiert und sehr viele Studien verfasst. Und dann haben wir in angemessener Bestürzung weiter Fleisch gefressen, sind mit schlechtem Gewissen zu Konferenzen in andere Länder geflogen und auf Plastik hat eh niemand ernsthaft verzichten können. Und jetzt stehen wir dumm da, erschlagen uns gegenseitig an den letzten Wasserstellen, sind auf der Suche nach bewohnbaren Gebieten und raufen uns verzweifelt das staubige Haar. Die alten politischen Systeme sind gemeinsam mit dem letzten Rest sozialen Zusammenhalts vor unseren Augen in Flammen aufgegangen. Schutt und Asche. Der Planet hat einen Gegenbrand gelegt.

Nicht zuletzt seit uns der Text “Deep Adaptation” des Wissenschaftlers Prof. Jem Bendell in die digitalen Hände gefallen ist, sind wir von HeartWire zu der Überzeugung gelangt, dass im Angesicht der massiven Wandel im Außen (Welt) und Innen (Individuum und Gesellschaft), eine neue Art von Bildung nötig wird, die nicht nur die Köpfe sondern vor allen Dingen auch die Herzen inspiriert – “Herzensbildung”, die dem Menschen dabei hilft neue Wege zu sich selbst und seiner Umwelt zu suchen, zu finden und sie auch zu gehen. Transformation. Am Ende ist dieser Bildungs-Ansatz die Grundlage oder mindestens notwendige Ergänzung jeglicher Bildungsbemühung. Seien diese nun politischer, kultureller, musischer, beruflicher oder (hoch-)schulischer Natur.

Was also wenn all das wirklich wahr wäre? Was wenn diese apokalyptischen Bilder die Kinoleinwände verlassen, um unsere Realität zu werden? Was wenn die Welt, wie wir sie kennen, wirklich stirbt und der Klimawandel zur Klimatragödie wird – nicht aufzuhalten und unabwendbar. Es ist ein scheußliches Narrativ und das instinktive-davor-zurückschrecken ist nur menschlich. Denn wenn Politik und Gesellschaft nicht mehr kategorisch ausschließen würden, dass diese Geschichte wahr sein könnte, dann würden systemische Umwälzungen nötig, die nicht nur unbequem, sondern für alle von uns dramatisch wären. Dann wäre die Frage nach dem Willen zum Verzicht nicht mehr nur ein neckisches Gedankenexperiment, sondern absolute Norm zur Ausrichtung aller zukünftigen Entscheidungen. Echter Schmerz wäre die Folge – eine Grundbedingung für Transformation und daher ein starkes Storytelling für unser Projekt “Kraftwerk”:

Ausgehend von diesem klima-apokalyptischen Narrativ haben wir, im Auftrag der Joachim Herz Stiftung, ein sechstägiges Kunstprojekt kuratiert, das während der Grips-Sommerakademie 20 StipendiatInnen, die Möglichkeit gab sich selbst besser kennen zulernen, ihren Potentialen auf die Spur zu kommen und andere Blicke auf die Welt zu entwickeln. Wir haben gemeinsam in diese mögliche Zukunft hineingearbeitet. Wir haben an digitalen Lagerfeuern gesessen und uns neue Geschichten über die Welt erzählt. Wir haben Maschinen erfunden, die verlorenen Menschen ihre Erinnerung zurückgeben, haben das Perpetuum Mobile entdeckt, unseren hellen Zorn in der Finsternis leuchten lassen und unsere Wünsche, für jeden sichtbar, in einen Raum aus weiß getaucht.

Dazu stand uns ein komplettes Haus zur Verfügung, das von den hemmungslos euphemistischen Einheimischen “Villa” genannt wurde und das wir nach unseren eigenen Wünschen und Ängsten gestalten konnten. Ein Kraftwerk in dem die Jugendlichen Altes in Neues integrieren und so Zukunftsfähigkeit trainieren konnten. Und so ist es auch gekommen. Als die Ausstellung unserer inhaltlichen Arbeit und der dazugehörigen künstlerischen Übersetzung für die 70 anderen Stipendiaten ihre “Haustür” öffnete, begaben diese sich auf eine Reise, die in dunkler Vergangenheit begann, sich dann zu einem transformatorischen Moment zusammenzog und am Ende in einer vagen Zukunft endete.

Wir sind sehr dankbar für diese Erfahrung und die Möglichkeit mit diesen wunderbaren Jugendlichen zusammenarbeiten zu dürfen: “Euch gehört diese fucking Welt. Lasst uns etwas gutes damit machen.”

Das Deep Adaptation Narrativ wird uns weiter begleiten und findet seine Fortsetzung in unserem nächsten Projekt: Gemeinsam mit der Robert Bosch Stiftung und der Consciousness-Gaming Agentur Monobanda arbeiten wir an einem virtuellen Übergangsritual (“Rite of Passage”) für all jene, die sich erschöpft und überwältigt fragen, warum denn niemand wirklich etwas tut. Aber dazu später mehr…

 

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