Embodied Learning – Verkörpertes Lernen an der Østerskov Efterskole

An der Østerskov Efterskole im dänischen Hobro werden nicht nur vereinzelt Planspiele gespielt, um Realitäten zu simulieren. An dieser Schule lernen die SchülerInnen den gesamten Lernstoff durch echte Rollenspiele – LARPs: Live Action Role Plays. Diese Variante des verkörperten Lernens katapultiert Lernende in phantastische Szenarien und kreatives Storytelling. Denkbar ist zum Beispiel ein Rollenspiel innerhalb der  “Zombieapokalypse”, oder das Leben an Bord eines Raumschiffes, das sich auf “Weltenentdeckungsmission” befindet. Innerhalb der Szenarien ist nicht nur Wissen aus vielen unterschiedlichen Bereichen gefragt, sondern vielmehr noch die Fähigkeit, dieses Wissen kreativ anzuwenden. Mathematische und technische Fähigkeiten sind hier ebenso wichtig wie die Ausbildung von Softskills.

Bei HeartWire arbeiten wir besonders mit kleineren LARPs (auch unter dem Titel “Drama Games” bekannt), die es Lernenden ermöglichen, sich selbst und ihrer Persönlichkeit auf die Schliche zu kommen. Im Vergleich zu LARPs – die sich über Wochen, Monate und Jahre erstrecken können – sind sie viel kürzer (20 – 60 Minuten) und haben einen scharfen inhaltlichen Fokus. Vor allem politisch-gesellschaftliche Themen und Phänomene werden hier verhandelt. In den Evaluationseinheiten am Ende unserer Drama Games leiten wir in Tiefe und intensive Erkenntnisprozesse.  Zusammen mit den Teilnehmenden reflektieren wir etwa, wie es war als Teil einer Gruppe Entscheidungen zu treffen, wie es um die Kommunikationskultur innerhalb der Gruppe stand oder um die eigene Zivilcourage. Wie empathisch waren wir – und warum? Wie haben wir uns gegenüber Kranken, Schwachen und Alten verhalten? Welche Werte waren uns heilig – und welche eher nicht? Und: Was bedeutet Mensch-sein? Was ist der Sinn des Lebens? Wo liegen die Potentiale jedes Einzelnen und wie können wir sie entfalten?

Drama Games sind mächtige Tools, die mächtige TrainerInnen erforderlich machen. Im besten Falle sind sie transformative Bildungs-Momente, durch die gezielt Persönlichkeit entwickelt werden kann: weil wir mit uns selbst uns anderen in Kontakt kommen. Weil wir uns Strukturen und Muster bewusst machen und dadurch erst eine Chance auf Entwicklung entsteht, schliesslich kann sich nur das zur Blüte entfalten, was bewusst wahrgenommen wird. Ein schlecht evaluiertes Drama Game / Rollenspiel wiederum verpufft als Spiel – oder richtet, im schlechtesten Fall, sogar Schaden an. Immersives Lernen muss daher immer in Verbindung mit umsichtiger Evaluation und Reflektion stehen. Was das für die Ausbildung und Befähigung von Lehrenden bedeutet, die mit diesen Werkzeugen arbeiten möchten, stellen wir hier mal als Frage in den Raum… um ihr in kommenden Blogposts weiter nachzugehen.

Wenn ihr mehr zum Thema LARPing in Lernsettings wissen möchtet, dann sei euch folgende Podcast-Episode aus der Reihe “Voices of VR” empfohlen: LARPing – The Future of Live-Action Role Playing in Immersive Entertainment. Have Fun!

 

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