Technologien und Sinnlichkeit: Gedanken zum erlebenden Lernen

Unser formales Bildungssystem hat unsere Köpfe von unseren Körpern entkoppelt. Lernen und Lehren stehen immer noch synonym für Kognition. Und umgekehrt. Der Körper als Träger von Intelligenz wird in den meisten Bildungssettings sträflich vernachlässigt. Zwar werden Ziele wie das 4K-Modell formuliert, aber am Ende  werden sie nur vor dem Hintergrund eines kognitivistischen Bildungsdesigns gedacht und umgesetzt. Dabei haben gerade Kreativität und kollaboratives Lernen starke sinnliche Komponenten. Aber so werden sie nicht begriffen. Und selbst wenn wir diese Komponenten so gesehen  würden, fehlt es an Erfahrung und Expertise, um mit ihnen zu arbeiten.

Dabei liegen in der Sinnlichkeit des verkörperten Lernens grundlegende Antworten auf die Herausforderungen der digitalen Gesellschaft: Empathie als Antwort auf Gleichgültigkeit, Ästhetik als Antwort auf uninspirierten Pragmatismus, Erotik als Antwort auf Kälte, Intimität als Antwort auf Entfremdung etc.

Würden wir anfangen den Körper und Emotionen als Teil von Bildung mitzudenken, dann würden wir Menschen ausbilden, die nicht nur Zugang zu ihren Köpfen sondern auch zu ihren Herzen haben. Formalisierte Bildungsstrukturen tragen den westlichen “Thinkism” wie eine Monstranz vor sich her. Wir misstrauen unseren Gefühlen und unseren Körpern. Und wir tun es, historisch betrachtet, zurecht. Würden wir aber dazu übergehen uns unseren  körperlich-emotionalen Intelligenzen zuzuwenden, sie auszubilden… wir wären uns selbst nicht mehr so ausgeliefert. Wir bräuchten uns vor Manipulation, zum Beispiel durch Populismus, Hassrede, etc. nicht mehr zu fürchten, weil wir gelernt hätten unsere emotionalen Reaktionen darauf zu reflektieren, einzuordnen und zu versprachlichen. Wir würden nicht mehr sinnlos erleben. Wir würden sinnvoll erfahren. Und aus der sinnvollen Erfahrung können sinnvolle Antworten und Handlungsoptionen entstehen.

Fast schon anachronistisch mutet es da an, dass neue Technologien (zB. Virtual Reality) das Potential haben, uns wieder mit unseren Körpern in Kontakt zu bringen. In der VR betreten wir Welten und finden uns in Situationen wieder, die uns tief berühren und verändern, weil sie uns als ganze Menschen in die Mitte des Geschehens stellen. Mit allem was wir sind. Die Gaming-Industrie macht es uns seit Jahren vor. Immersive Konsolen wie die Nintendo Wii haben auch deshalb großen Erfolg gehabt, weil sie uns als körperliche Wesen begreifen und ansprechen. Unsere Bildungssysteme haben darauf nicht reagiert. “We are still heads on sticks”. Wir haben unsere Körper als Träger von Sensationslust und nicht als intelligenten Bestandteil unseren Seins betrachtet. Und das tun wir immer noch.

Um dieser dramatischen Vernachlässigung körperlich-emotionaler Intelligenzen zu begegnen, haben wir HeartWire gegründet. Und das ist nun keine Werbeveranstaltung in eigener Sache. Wir wollen lediglich darauf aufmerksam machen, dass es eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen braucht, um formale Bildungssysteme von innen nach außen zu verändern, um Digitalisierung von Gesellschaft aktiv mitzugestalten, um Kopf und Körper wieder miteinander zu verbinden. Und ganz am Ende steht die Vision mündiger, selbstbestimmt und liebevoll miteinander lebender Menschen. Nicht mehr und nicht weniger.

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